EXPEDITION HELGOLAND 2002
Vermisstes englisches U-Boot E-10 nach 87 Jahren in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie (BSH) identifiziert

Nordsee bei Helgoland Oktober 2002

Eine Kellersohn-TV Eigenproduktion über das Abenteuer Seevermessung. Wir begleiteten das Bundsamt für Seeschiffahrt und Hydrographie auf ihrem Seevermessungsschiff WEGA hinaus auf die Nordsee um die spannende Arbeit der Seevermessung zu begleiten. Seevermessung heißt aber auch Wracksuche und Identifikation von Hindernissen auf dem Meeresboden. Während dieser Produktion identifizierten eine Gruppe Taucher an Bord der WEGA das seit 87 Jahren vermisste englische U-Boot E-10

Kellersohn-TV hat während dieser Produktion die gesamten Arbeitsabläufe des BSH an Bord der WEGA begleitet und die einzelnen Schritte zur Vermessung und die anschließende Verarbeitung der gewonnenen Daten in den amtlichen Seekarten, am Beispiel des identifizierten U-Bootes, dokumentiert. Alle möglichen Fragestellungen wurden in O-Tönen mit dem Kapitän und seiner Besatzung z.T. sehr belebend beantwortet und visualisiert. Wir haben die vier Taucher ebenfalls in allen Abläufen begleitet und waren hautnah dabei als sie unterwasser das Wrack identifizierten und zurück an der Wasseroberfläche direkt nach dem Auftauchen über ihre Erlebnisse erzählen. Insgesamt entstanden so bei dieser Produktion 10 Stunden Überwasser und 2 Stunden Unterwasser sendefähiges Beta-Material. Sollten Sie Interesse an unserem Material / Thema haben, senden Sie uns bitte eine kurze Mail, wir schicken Ihnen dann umgehen ein Exposè mit einem Rohschnitt zu.

 

Vermisstes englisches U-BOOT E10 vor Helgoland von Tauchern identifiziert

kellersohn Vor fast genau einem Jahr identifizierten ein Gruppe Taucher das englische U-Boot E-16 vor Helgoland (Kellersohn-TV begleitete damals das Taucherteam). Der Fund sorgte damals sowohl in Deutschland als auch in Großbritannien für großes Medieninteresse. Im Verlauf der damaligen Expedition betauchten die Taucher ein weiteres U-Boot, das der E-16 sehr ähnlich war, doch wegen aufkommenden schlechten Wetters konnte damals die Identität des U-Bootes nicht geklärt werden. Fast ein Jahr später wurde nun das zweite U-Boot identifiziert.........

 
Bei der Suche stützten sich die Taucher hauptsächlich auf die Informationen der amtlichen Seekarten. Doch woher Stammen die vielen Einträge in den Seekarten, hinter denen oftmals viel mehr steckt als eine reine Position auf der Karte. Dieser Frage nahm sich die hamburger TV-Produktionsfirma Kellersohn-TV an und begleitete zusammen mit einem Kamera- und Taucherteam das Seevermessungs- und Forschungsschiff WEGA des Bundesamtes für Seeschiffahrt und Hydrographie auf einer ihrer Seevermessungsfahrten hinaus auf die Nordsee. Die letzten 12 Monate recherchierte das Team von Kellersohn-TV um welches U-Boot es sich bei dem gefundenen Boot handeln könnte. Eines war aufgrund der ausgewerteten Videoaufnahmen klar. Es war ein U-Boot der englischen E-Klasse, die im ersten Weltkrieg im Seekrieg gegen Deutschland eingesetzt wurden. Es war Baugleich mit dem bereits identifizierten U-Boot E-16. Insgesamt 56 dieser U-Boot liefen in den Jahren 1911-17 in England vom Stapel. Es galt nun aufzuklären welches Schicksal den einzelnen Booten widerfuhr. Nach langen mühseligen Recherchen in alten Archiven fand das Team schließlich heraus, daß es in der deutschen Nordsee nur noch ein vermisstes U-Boot der E-Klasse gab. Mit diesem Wissen, wollte man nun zusammen mit dem BSH deren Arbeit dokumentieren.
 
Das BSH verfügt über ein Wrackarchiv mit mehr als 1.700 Wracks. Eines dieser Wracks ist auch jenes U-Boot, welches bereits in den amtlichen Seekarten verzeichnet ist. Doch um welches und was für ein U-Boot wußte man bis dato noch nicht, da das BSH zwar geortete Untiefen mit modernster Technik erfaßt, dokumentiert und in den Seekarten verzeichnet, dieser aber nicht identifiziert oder archäologisch auswertet. Nachdem die WEGA die Position des Unterseebootes erreichte, zeichnete ich auf dem Sidescannsonar, eine Art Unterwasserradar, das dreidimensionale Radarbild des in 40 Meter Tiefe liegenden U-Bootes ab. Auch den Profis am Bord des Seevermessungsschiffes WEGA war die Aufregung in den Gesichtern geschrieben, denn das sehr gut erhaltene U-Boot lag aufrecht in 40 Metern Tiefe auf dem Meeresboden der Nordsee nur 10 Seemeilen westlich vor Helgoland. Nachdem die Besatzung der WEGA da Boot genaustens vermessen hatte, wurde ein Grundgewicht direkt neben dem Tiefenenruder auf der Steuerbordseite plaziert.
 
Nun machten sich Karl Vandenhole und Sascha Kellersohn, die bereits die Expedition im vergangenen Jahr begleiteten, sowie Sven Wiemann und Wolf Wiechmann bereit zum Abtauchen. Getaucht wurde aufgrund der hohen Tiefe und einer langen Tauchzeit mit einem besonderem Atemgemisch. Schon beim Abtauchen wurde den Tauchern klar, daß es nicht so einfach sein würde wie sie es sich vorgestellt hatten. Die vielen Sedimente der Nordesee verfinsterten das Wasser schon ab 15 Metren Tiefe in dunkle Nacht. Und auch die Unterwasserlampen reichten aufgrund der schlechten Sicht nicht weiter als einen Meter. Doch die Männer der BSH hatten ganze Arbeit geleistet, denn das Grundgewicht lag wirklich direkt neben dem steuerbord Tiefenruder nur wenige Meter von den Schiffsschrauben entfernt, an denen die Taucher wie schon bei E-16 die Identität des U-Bootes klären wollten. Eigentlich war sich das Team aufgrund ihrer Recherchen schon ziemlich sicher um welches U-Boot es sich handelt doch man wollte die 100 prozentige Bestätigung. An den Schrauben angekommen, begannen Wiemann und Wichmann sofort damit die Schrauben von umherhängenden Netzen zu befreien und den Bewuchs der letzten 87 Jahre zu entfernen. Nach mehr als 20 minütiger Arbeit Unterwasser gab das U-Boot langsam sein lang gehütetes Geheimnis preis. Es erschien zwischen den Zwischenräumen der Propellerblätter die Produktionsnummer 431. Die Freude der Taucher war riesengroß, hatte man doch so lange auf die Identifizierung hingearbeitet. Nochmals nahmen die Taucher das gut erhaltene U-Boot in Augenschein um den Grund des Unterganges zu ermitteln. Ein großes Loch im Ballasttank auf der Backbordseite des Bootes deutet auf einen Treffer durch eine Seemine. Nach ca. 30 Minuten mußten die Taucher ihren Aufstieg beginnen. Doch anders als bei der Sporttaucherrei, mußten die vier Taucher in verschiedenen Tiefen, sog. Dekopausen einlegen, um das unter Druck in ihren Geweben aufgenommene Stickstoff wieder über ihre Lungen abzuatmen. Nach ca. 20 Minuten Dekopausen in 9, 6 und 3 Metern Wassertiefe erreichten die Taucher nach einer Gesamttauchzeit von rund 50 Minuten die Wasseroberflächen.
 
Die emotionen der Taucher war überschwenglich. Sven Wiemann: "Das war der aufregendste Tauchgang den ich jemals gemacht habe, zumal ich selbst jahrelang auf einem U-Boot der Bundeswehr gedient habe wurden längst verdränkte Emotionen wach aber auch das Wissen, das hier 31 Menschen Ihr leben ließen sorgte für ein schauerliches Szenario, es ist jetzt wichtig den Toten ihre letzte Ruhe zu gewähren und dieses nasse Grab als dieses zu respektieren" .
 
Zurück an Bord der WEGA wurde die Produktionsnummer sofort mit den recherchierten Informationen verglichen. Die freigekratzte Produktionsnummer 431 gehört wie von den Tauchern vermutet dem seit dem 18.01.1915 vermißten englischen U-Boot E-10. Insgesamt fanden damals 31 Menschen ihr nasses Grab in der Nordsee 10 Seemeilen westlich vor Helgoland. Die 55 Meter lange und 7 Meter breite E-10 lief am 29.12.1913 bei der Vickers-Werft in Barrow-in-Furness / England vom Stapel und hatte die Bauummer 431. Das taktische Zeichen war I 90 . Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 14 Knoten Überwasser wurde das Boot von zwei 800 PS starken Dieselmotoren angetrieben. Bei Unterwasserfahrten dienten zwei jeweils 420 PS starke Elektromotoren, die das Boot mit bis zu 9,5 Knoten vorantrieben. Die Boote der E-Klasse hatten einer Reichweite von ca. 3000 Seemeilen und verfügten über 5 Torpedorohre. Zwei am Bug eins am Heck und was besonders für die Zeit war, zwei seitliche Torpedorohre. Die Besatzung bestand aus drei Offizieren und 28 Unteroffizieren und Mannschaften. Der letzte Kommandant war Lieutenat Comander William St. J. Fraser der 8. Ubootflottille in Harwich. Am 02.11.1914 lief E-10 zusammen mit den U-Booten D-3 und D-5 von Harwich in Richtung Helgoland aus. Nur einen Tag später wurden die drei Boote von der deutschen Marine aufgespürt und beschossen. E-10 und D-3 entkamen dem Angriff, doch D-5 lief beim Fluchtversuch auf eine Mine und sank mit allen Mann an Bord. Auf ihrer weiteren Reise Richtung Helgoland attackierte E-10 am 29.12.1914 ein deutsches U-Boot mit zwei Torpedos, die aber ihr Ziel verfehlten. Im Gebiet von Yarmouth vor Helgoland angekommen war das U-Boot Teil des Zerstörervernichtungsplanes mit dem Codename "Plan J", bei der ein Teil der britischen U-Booteflotte den Bereich von Borkum bis zu den Horn Reefs kontrollierte und Überwachte. Am 18.01.1915 war E-10 zusammen mit dem U-Boot E-5 nordnordwestlich von Helgoland auf Patrouillenfahrt als E-10 plötzlich gegen 20:00 Uhr den Kurs auf Süd änderte. Alle Versuche von dem anderen U-Boot Kontakt mit E-10 zu bekommen verliefen ohne Erfolg. Warum konnte nie geklärte werden, bis zur letzten Woche, denn aufgrund der Beschädigungen am backbord Ballasttank lässt sich klar erkennen: E-10 wurde Opfer einer Seemine. Für die englischen Behörden bedeutet diese Identifizierung, das ein weiteres Kapitel englischer Kriegsgeschichte geschlossen werden kann und die Toten endlich für Tod erklärt werden können und die Hinterbliebenen endgültig Abschied nehmen können.

Service zum Thema

Sendetermin mit Bilder zum Thema am 25.08.2003 um 19:25 bei Galileo Pro7

 
 
Die Produktion wurde Unterstützt von:

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